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Weiterleben | In anderen Worten über Leben?

Mit Anthropozän wurde vor einiger Zeit ein Begriff für eine neue geochronologische Epoche geprägt; er soll einen Zeitabschnitt umfassen, in dem der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde wurde. In Anlehnung an Jacques Derridas Essay »Überleben« nähert sich das Ausstellungs- und Rechercheprojekt »Weiterleben | In anderen Worten über Leben?« diesem Themen­feld in drei Kapiteln kritisch an, aktiviert afrofuturistische, feministische, literarische sowie medienarchäologische Bilder und betont die ökonomischen, sozialen und historischen Aspekte von Narrativen zum Ende der Welt. Wie leben Erfahrungen, Bilder und Menschen am Ende einer von ihnen als Ende der Zeit empfundenen Geschichte weiter? Gibt es jenseits der kontrollierten Geschichtsschreibung Möglichkeiten des Ausdrucks, die es erlauben, auch außerhalb und über solche historischen Ereignisse hinaus zu bestehen? Die Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung setzen sich anhand von Landschaftsansichten aus Brasilien, Obermesopotamien, Österreich und Kuwait mit Erinnerung an Genozid, Massaker und Entortung sowie der damit einhergehenden Ökonomisierung und Erfahrung von Landschaft bzw. Natur auseinander. Mit Thomas Enders Aquarellen aus Brasilien, indigener materieller Kultur als ästhetischer Produktion sowie den dialogisch ins Gespräch gesetzten Arbeiten der Kunstschaffenden werden historische Kontinuitäten zwischen Kolonialismus als Projekt der Moderne und dessen Fortführung im Zuge von Klima- und Umweltpolitik im Globalen Süden im Sinne von Bruno Latours Konzept der »Diplomacy« gezeigt.

Kuratiert von: Delal Isci und Thiago de Paula Souza
Künstlerinnen und Künstler: Lorenz Helfer, Max Jorge Hinderer Cruz, Clara Ianni & Clara Ianni in Zusammenarbeit mit Débora Maria da Silva, Monira Al Qadiri, Juliana dos Santos u. a.


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