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The Last Machine PARIS L’Abominable: Filmprogramm und Gespräch mit Nicolas Rey

Nicolas Rey, Autrement la Molussie, film still, 2012

„Keine Aktivität kann eine Kunst werden, bevor ihre ureigene Epoche zu Ende und ihr Gebrauchswert als Mittel des nackten Überlebens dahingeschwunden ist“, heißt es in einem Essay Hollis Framptons aus dem Jahr 1971. Dass der analoge Film überholt und veraltet sei, hört man zur Zeit vor allem aus dem industriellen Kontext; in cinephilen Kreisen und in der Kunstwelt beobachtet man eine Gegenbewegung: Die Singularität und Schönheit dieser letzten Maschinenkunst scheint gerade erst wiederentdeckt zu werden.

Im Rahmen der Vienna Art Week fokussiert das Filmmuseum auf drei Orte, an denen der Film nie als überholt betrachtet und konsequent mit ihm weiter gearbeitet wurde: Die Wiener „Schule Friedl Kubelka für unabhängigen Film“ feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen und stellt den seltenen Fall einer im eigentlichen Sinne ausbildenden Institution im Bereich des analogen Films dar. Im Vergleich dazu ist „LaborBerlin“ nicht lehrplanmäßig organisiert und fungiert als eigenständiges, basisdemokratisch geführtes Filmkollektiv, in dessen Zentrum der analoge Film und – konsequenterweise – ein analoges Filmlabor stehen. Vergleichbar damit ist auch das Künstlerkollektiv „L’Abominable“ in Paris, das seit nunmehr 20 Jahren das Arbeiten mit analogem Film unterstützt, begleitet und weiter entwickelt.

Die Reihe zeigt eine verdichtete Auswahl von Filmen, die in den Orbits dieser Institutionen zu kreisen begonnen haben. Zugleich geht es aber auch – in Form von Gesprächen mit Vertreter/inne/n der drei Institutionen – um die Kontexte und Strukturen, die es überhaupt erst ermöglichen, dass Film in Zeiten seiner industriellen Verdrängung weiter bestehen kann, um seine Ausdruckskraft – seine Kunst – in die Umlaufbahn unserer Weltwahrnehmung zurückfließen zu lassen.


PARIS 1. Günther Anders, Nicolas Rey
autrement, la Molussie/anders, Molussien (2012)
Ein Film von Nicolas Rey nach Die molussische Katakombe von Günther Anders. 16mm, Farbe, 81 min

Verfilmung eines Romans, ohne ihn gelesen zu haben: Günther Anders’ Die molussische Katakombe als improvisierte Übersetzung eines Gefühls, einer Idee, eines inneren Bildes, von dem man ahnt, dass es stimmt. Deshalb setzt man es in Szene. Ähnlich schwebend auch die Begegnung mit dem Film, der ein Dazwischen sucht, die Schönheit des Ungefähren, den Reiz des Unbeendeten: Neun 16mm-Akte, die mit jeder Projektion neu angeordnet werden. Bereits abgelaufenes Filmmaterial, das den fast menschenleeren Landschaften etwas Malerisches gibt, um sie zugleich im wuselnden Korn des Filmbilds zu ertränken. Parabelhafte Fragmente der literarischen Vorlage, die vom Hier und Jetzt zu sprechen scheinen und doch über 80 Jahre alt sind. Ein Werk über das Heute auf einem Material von gestern, das mit jeder Aufführung deutlicher die Zeichen der Zeit tragen wird. Dialektisches Denken, das alles durchzieht, ohne dabei an Poesie und Schönheit einzubüßen. (A.B.)

In Anwesenheit von Nicolas Rey


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