Event

Interview marathon: Seeking Beauty

Die zwölfte VIENNA ART WEEK steht ganz im Zeichen der Schönheit fest.
Zum performativen Interviewmarathon am 15. November in der MAK Säulenhalle treten international renommierte Experten und Kunstschaffende an, um über Ideale und Schattenseiten der Ästhetik zu diskutieren.

Was ist Schönheit? Welche Kriterien bestimmen, was uns gefällt? Wie verändert sich der Schönheitskanon im Laufe der Zeit? Diesen Fragen – seit Jahrtausenden drängenden Themen der Wissenschaft und Philosophie – widmet sich die diesjährige VIENNA ART WEEK. Unter dem Motto „Seeking Beauty“ begeben sich hochkarätige Gäste in jeweils vier Vorträgen und Performances auf die Suche nach dem Schönen, hinterfragen Trends und beleuchten die dunkle Seite der Ästhetik. Den Anfang macht die französische Body-Art-Künstlerin ORLAN. Ihr Körper, den sie chirurgisch nach dem Vorbild kunsthistorischer Schönheiten ummodellieren ließ, wurde zum Sinnbild des Perfektionswahns. Über die Bedeutung der klassischen Schönheitsideale in den Gemälden von Raffael Santi, John Constable und Sandro Botticelli, die bis heute die Werke moderner Künstlerinnen und Künstler von Picasso bis Cindy Sherman maßgeblich beeinflussen, spricht Marc Evans, Kurator im Victoria and Albert Museum in London.

Doch nicht nur Schönheitsideale reflektieren gesellschaftlichen Wandel. Noch schneller zeigen ihn Modetrends: Barbara Vinken, die glamouröseste Literaturprofessorin Deutschlands, liebt Kleist, Flaubert … und Kleidung. Sie erklärt, wie Stile als Seismografen für die Gesellschaft fungieren. Dejana Kabilio wiederum, Gründerin des österreichischen Designlabels Kabilio Inc., weiß, dass wahre Schönheit Raum für Verletzlichkeit und schlechte Angewohnheiten bieten muss.

In ihrer „Bildhauerin-Performance mit Happy End“ agiert die deutsch-österreichische Künstlerin und Philosophin Elisabeth von Samsonow als Skulptur, die nach eigenen Vorstellungen zurechtgemacht und „korrigiert“ wird. Entgegengesetzte Körperideale feiert hingegen Tänzerin Doris Uhlich: In ihrer Performance „Pudertanz“ erweckt die Österreicherin die opulente Barockzeit zum Leben, lässt das Fleisch tanzen und bejubelt den Körper in seiner Fülle.

Mit viel Humor und einem Hauch Ironie stellen die holländische Performancekünstlerin Krõõt Juurak und die in Wien lebende französische Choreografin Anne Juren in der Performance „Look Look“ die ungeschriebenen Gesetze einer Modeschau und den damit einhergehenden Narzissmus nach. Und zu guter Letzt greifen Künstlerin Elisa Rose und Komponist Gary Danner unter dem Namen „STATION ROSE“ in ihrer Performance „Das digitale Schöne“ die aktuelle Frage auf, wie technologische Entwicklungen unsere Schönheitsvorstellungen beeinflussen.

14:00
Begrüßung
Christoph Thun-Hohenstein (Direktor MAK Wien)
Robert Punkenhofer (Künstlerischer Direktor, VIENNA ART WEEK)

14:10
ORLAN
Künstlerin und Gründerin von Carnal Art, geboren in Frankreich
lebt und arbeitet in Los Angeles, New York und Paris

ORLAN ist eine der bekanntesten französischen Künstlerinnen weltweit. Für ihre Skulpturen, Fotografien, Performances, Videos, Videospiele und Augmented-Reality-Arbeiten bedient sie sich der Wissenschaft und Medizintechnik, etwa der Chirurgie und der Biogenetik. Wichtiger als das Medium selbst sind aber stets die Idee dahinter und die Körperlichkeit: ORLAN macht ihren eigenen Körper zum Medium und zum Rohmaterial, zur Projektionsfläche der Arbeiten, zum Gegenstand der öffentlichen Debatte. Die Künstlerin ist eine der wichtigsten Vertreterinnen der Body Art respektive der Carnal Art, die sie 1989 in einem Manifest begründete.
Hingabe und Selbstbestimmung sind für ORLAN wesentliche Bestandteile künstlerischen Wirkens. Sie nimmt in ihren Arbeiten stets innovative, kritische und subversive Positionen ein, schafft laufend neue Fakten und durchbricht auf radikale Weise Konventionen und eingefahrene Denkmuster. Naturdeterminismus stellt sich ORLAN ebenso entgegen wie sozialem und politischem Determinismus, jegliche Form von Machtausübung – sei es in Form von Androkratie, Religion, kultureller Segregation oder Rassismus – lehnt sie entschieden ab.
Ihre Arbeiten sind humorvoll, bisweilen parodistisch oder grotesk. Sie provozieren und schockieren, indem sie mit etablierten Codes brechen.
ORLAN ist Gewinnerin des e-Reputation Awards, der Kunstschaffenden mit den meisten Followers im Internet zuerkannt wird.
ORLAN.eu

15:00
Elisabeth von Samsonow
Künstlerin und Philosophin, Professor an der Akademie für Bildende Künste in Wien

„DISLIKE MYSELF TERROR ACT / WANT MYSELF BEAUTIFUL DESIRE SCULPT“
Eine selbstreflexive, kurzschlussartige, teufelkreisförmige Bildhauerin-Performance mit Happy End

"Das find ich noch nicht gut / das schneide ich weg / Da muss noch was anders gemacht werden / Ah, hier muss auch nochmal drübergegangen werden / Diese Linie ist es auch noch nicht / Diese Form bringt es auch noch gar nicht / In dieser Linie ist ja überhaupt keine Spannung / Ha, dass muss eigentlich ganz weg / Nein, das ist noch nicht gut / Das hier muss noch verbessert werden / Diese Form ist nicht interessant / Also eigentlich schaut das nach überhaupt nichts aus / Ich schleif das mal / Hier streich ich drüber / Und das …"

Die Performance befragt das Verhältnis der Kunst zum Realen und baut am Ende den Vorteil aus, den sie dadurch erhält, dass sie ihre Beziehung zum Symbolischen nicht aufgibt. Elisabeth von Samsonow geht davon aus, dass die Bildhauerei als chirurgische und Body-Sculpt-Praxis dem Umstand Rechnung trägt, dass nicht nur der Raum der Psyche, sondern auch der des Körpers mehrfach existiert, in verschiedenen, meist synchron oder koexistierenden Varianten. Die Operation dieser Performance besteht darin, dass die Künstlerin ihr skulpturales Double, sich als Skulptur, nach ihren Vorstellungen zurechtmacht und „korrigiert“. Sie unterstreicht damit jene Facetten der Kunst, die in der zeitgenössischen Option für das Reale unter den Tisch gekehrt worden sind. Sie plädiert für eine Art Ethos der plastischen Künste, der sich dem Diktat der autoplastischen De- und Reformation durch Plastic Surgery widersetzt und auf die Modellierung des Idealen im Phantastischen, Virtuellen und in Zweitleibern setzt.

Elisabeth von Samsonow (Stimme, Aktion), Skulptur, Arbeitstisch, Werkzeug, Licht
www.samsonow.net

15:45
Mark Evans
curator at the Victoria and Albert Museum, London
„Das Schöne sichtbar machen“: Meister von einst und Belange von heute
(lecture / EN)

„Jemand, der danach trachtet, das Schöne sichtbar zu machen“: Diese frühe Definition des Wortes „Künstler“ findet sich in der ersten Ausgabe des „Oxford English Dictionary“. Sie erschien kurz vor der letzten Impressionisten-Schau 1886 – zu einer Zeit also, da der tradierte abendländische Konsens über das Wesen künstlerischer Schönheit zusehends zerbröckelte. Im 20. Jahrhundert taten viele Kunstschaffenden das Motiv der Schönheit als trivial ab und meinten sich ernsteren und wichtigeren Belangen zuwenden zu müssen. Weil sich für Mark Evans nur theoretisch über Schönheit philosophieren lässt, behandelt er das Thema am Beispiel dreier gefeierter Alter Meister, deren Werke stets große Bewunderung geerntet haben: Raphael Santi (1483–1520), John Constable (1776–1837) und Sandro Botticelli (1445–1510). Sie alle haben auf unterschiedliche Weise moderne Künstler wie Pablo Picasso, Lucian Freud, Isadora Duncan und Cindy Sherman geprägt.

16:45
Performance „Look Look“
Anne Juren & Krõõt Juurak

Die beiden ängstlich wirkenden Performerinnen scheinen sich nicht um ihr Erscheinungsbild zu kümmern. In einem Feuerwerk an Kreativität kombinieren sie ihre Kleidung immerfort anders und erfinden dabei laufend neue Charaktere. Das Unerwartete wird paradoxerweise doch erkennbar: Ihr Spiel mit Stereotypen hält uns vor Augen, wie selbstverliebt und selbstkritisch wir uns tagtäglich geben, ohne zu merken, wie seltsam und komisch wir dabei sind. Juren und Juurak performen „Look Look“ seit 2008.
Eine Koproduktion von Tanzquartier Wien, Unit F, Wiener Tanz- und Kunstbewegung.

Krõõt Juurak (Estonia, lives in Vienna)
Krõõt Juuraks Performance-Kunst umfasst Präsentationen, Texte und Workshops. Sie behandelt Stimmungswandel und Konflikte, richtet sich ebenso an das menschliche wie an das nicht menschliche Publikum. Die Künstlerin studierte Tanz und Choreografie an der ArtEZ in Arnhem, Niederlande, sowie Kunst am Sandberg Instituut in Amsterdam. Ihre Arbeiten waren in Europa und darüber hinaus zu sehen.
kr66t.wordpress.com

Anne Juren (France, lives in Vienna),
Anne Juren lebt und arbeitet als Choreografin, Tänzerin und Performance-Künstlerin in Wien. Ihre choreografischen Arbeiten und künstlerischen Feldversuche waren international in unterschiedlichem Kontext – etwa bei Festivals, in Theatern und Kunsträumen – zu sehen. Juren erweitert den Begriff der Choreografie, indem sie ihren Körper in verschiedene physische, sensorische, kinästhetische und mentale Seinszustände versetzt und die Grenzen zwischen intimer und öffentlicher Sphäre auslotet. Zur Zeit ist sie Doktorandin an der UNIARTS Stockholm University of the Arts. 
www.wtkb.org

17:00
Barbara Vinken: Schönheit nach Hegels Ende der Kunst?
professor of literary studies at the Ludwig Maximilian University of Munich
(Lecture / DE)

18:00
Doris Uhlich in cooperation with Dj Boris Kopeinig
Upper Austria, choreographer and performance artist

Seismic Dancer (Performance)

Entgegengesetzte Körperideale feiert Tänzerin Doris Uhlich in Zusammenarbeit mit dem Dj Boris Kopeinig. In ihrer Performance "Seismic Dancer" schlägt der Körper Wellen, das Fleisch tanzt und der Körper wird gefeiert in seiner Materialität. Let's party our body! 

Choreografie, Peformance: Doris Uhlich
DJ: Boris Kopeinig
www.dorisuhlich.at

18:30
Dejana Kabiljo
Architect, designer and artist
born in Croatia, now based in Vienna
(Lecture / EN)

Dejana Kabiljo: BEAUTY / what if it would kill you?

Dejana Kabiljo macht Kunst, Architektur und Design für Menschen mit kleinen Schwächen, schlechten Angewohnheiten und anderen Macken. Sie bewegt sich mühelos in verschiedenen Welten, setzt sich bewusst über bestehende Kunst- und Designkategorien hinweg und spielt stattdessen mit eigenen Konzepten. Ihr Label Kabiljo Inc. führte sie mit einer Ausstellung im MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst in Wien ein.

Dejana Kabiljos Arbeiten werden weltweit ausgestellt. Sie finden sich in den Sammlungen des MAK, des Wien Museum und des Museums für angewandte Kunst in Belgrad ebenso wie in etlichen Privatsammlungen und wurden darüber hinaus in unzähligen Büchern und Medien – von „New York Times“ und „Financial Times“ über „Corriere della Sera“, „La Repubblica“, „Die Presse“, „AD“, „Elle Decor“, „Interni“, „Abitare“ und „Domus“ bis hin zu „Ottagono“ – besprochen.

Dejana Kabiljo, geboren in Split an der kroatischen Adriaküste, absolvierte ein Architekturstudium an der Universität Belgrad und ein Masterstudium an der Mailänder Domus Academy für Design. Sie war Lehrbeauftragte an der Universität für angewandte Kunst Wien. Kabiljo lebt und arbeitet im ersten Wiener Bezirk.
kabiljo.com

19.30
STATION ROSE
artist duo founded in 1988 by video-, media-, and performance artists Elisa Rose and Gary Danner, both from Linz

„Das digitale Schöne“

Die Künstlerin Elisa Rose und der Komponist Gary Danner erforschen die Schönheit des Digitalen in der Live-Performance.
Die Hi- und Lo-res-Auflösung ihrer Sound- und Bilderwelten wird unter anderem mit Glitches und Breaks generiert. Diese Sequenzen werden zu Loops. Frühe Amiga- und Atari-Kunst trifft auf die Natur und die neue Komposition.
Wann ist eine Computersequenz schön? Ist die Zerstörung durch Glitches essenziell für die Schönheit? Und wie wichtig sind Farbe, Tempo, Verzerrung?
stationrose.com

20:00
Diskussion

In Deutsch, Englisch und Französisch


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