Zeit für Neues

Temporäre Körperskulpturen im Dienste Österreichs

“cultural midpoint,” Museumsquartier Wien Photo: Thomas Smetana

Mit der Kampagne »immer mittendrin« rückt die Österreich Werbung (ÖW) 2016 die zeitgenössische Kunst- und Kulturszene in den Mittelpunkt.
Österreich – da denkt man an Wandern in den Bergen, an Tanzen durch den Schlossgarten von Schönbrunn, an Flanieren durch die vom Erbe Sisis und der Habsburger geprägten Prunkbauten im Takt des Wiener Walzers.
Um das hiesige imperiale Kulturgut hautnah zu bestaunen, reisen denn auch jedes Jahr unzählige Gäste von weit her an. Wunderbar! Nur: Österreich hat noch viel mehr auf Lager. »Neue Zugänge zur Kultur, sei es Tanz, Design oder Architektur, sind in einer einzigartigen Selbstverständlichkeit neben der gewachsenen imperialen Kultur erlebbar«, bekräftigt Österreich-Werbung-Geschäfts­führerin Petra Stolba. Diese Kulturaspekte gelte es nun verstärkt in den Mittelpunkt zu rücken.

Dass Österreich beides kann – mit imperialem Charme verzaubern und mit einer jungen, spannenden Kunstszene beeindrucken –, unterstreicht die Österreich Werbung seit dem Frühjahr 2016 mit ihrer Kulturkampagne »immer mittendrin«.

Präsentiert wurde diese bereits im Oktober des Vorjahres auf der Frankfurter Buchmesse: Da schlängelten, bogen und quetschten sich Gestalten zwischen Lücken, hinter Säulen und auf Regalen der wichtigsten Buchmesse Europas. »Bodies in Urban Spaces« nennen sich die philosophisch-ironischen Körper-Performances, die ihrem Urheber, dem österreichischen Künstler Willi Dorner, internationale Anerkennung eingebracht haben. Seine temporären Körperskulpturen sind das Flaggschiff von »immer mittendrin«, mit dem die Kampagne Entdeckungsgeist und Neugier künftiger Besucher ankurbeln will. »Ich finde es toll, dass die Österreich Werbung auf zeitgenössische Künstler zugeht«, so Willi Dorner. »Österreich ist sehr modern. Aber ich glaube, es braucht dieses Bild noch stärker in der Weltöffentlichkeit.«

Mit Willi Dorners Choreografien ist internationale Aufmerksamkeit gewiss, zeigt sich auch Petra Stolba überzeugt: »Ich finde die Aktion mit den temporären Körper­skulpturen deswegen so faszinierend, weil sie den Blick auf das Unentdeckte, auf das Dazwischenliegende lenken und damit völlig neue Einsichten gewähren«, so die Geschäftsführerin der Österreich Werbung. »Das Gleiche wollen wir mit unserer Kunst- und Kulturkampagne erreichen: das Kulturland Österreich neu zu entdecken.«

In diesem Auftrag reiste Willi Dorners Performance-Team aus Tänzern und Parkour-Läufern in den vergangenen Monaten durch ganz Österreich, auf der Suche nach überraschenden Lücken, versteckten Winkeln und neuartigen Perspektiven auf das Land. Die Foto- und Videoaufnahmen, die dabei entstanden sind, werden im Laufe des Jahres online zugänglich gemacht oder tauchen – genau wie Willi Dorners Körpergestalten – überraschend an unerwarteten Orten auf. Der erste Auftritt auf der Frankfurter Buchmesse, so lassen die Organisatoren wissen, habe erst einen Vorgeschmack auf Österreichs kreative Seite geboten.

Wer weiß: Vielleicht überrascht Kulturbesucher, wenn sie das nächste Mal durch historische Gassen schlendern, ein »Body in Urban Spaces« auf ihrem Weg – und lässt sie mit dem bleibenden Eindruck zurück, dass Österreich noch einiges Unentdecktes zu bieten hat, auch abseits von Sisi und Mozart.

Artikel von Salomea Krobath:

Salomea Krobath studierte Sozialwissenschaften und Chinesisch in den Niederlanden, in China und Großbritannien. Seit 2014 ist sie als freie Journalistin unter anderem für das Nachrichtenmagazin »profil« tätig.


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