»Wir setzen auf ein dialogisches Prinzip«

Das Engagement der ERSTE Stiftung für zeitgenössische Kunst

Franz Karl Prüller and Christiane Erharter Photo: Marlene Rahmann

Die ERSTE Stiftung, Hauptaktionärin der Erste Group, investiert in die gesellschaftliche Entwicklung in Zentral- und Südosteuropa. Der Fokus liegt dabei auf Sozialem, Kultur und Europa. Franz Karl Prüller, Vorstandsvorsitzender, und Christiane Erharter, Kuratorin und Projektmanagerin, erzählen im neuen Erste Campus beim Wiener Hauptbahnhof von den Heraus­forderungen für die Zukunft.

Welchen Stellenwert hat Kunst in der ERSTE Stiftung?
Franz Karl Prüller: Das Ermöglichen zeitgenössischer und gesellschaftlich relevanter Kunst- und Kultur­produktion ist einer unserer inhaltlichen Schwerpunkte. Gegenwartskunst ist ein Kommentar zu gesellschaftlichen Entwicklungen und trägt zur Bewusstseinsbildung bei.
Christiane Erharter: Wir sind mit einer sich stark verändernden politischen Landschaft konfrontiert – nicht nur in Polen, Ungarn und Kroatien. In Institutionen in Ungarn ist das Personal ausgetauscht worden, Subventionen wurden gestrichen. In diesem Kontext bedeutet die private Förderung durch die ERSTE Stiftung für Kunst- und Kulturschaffende eine große Freiheit, weil sie dadurch nicht einer staatlichen Kontrolle unterliegen.

Sie ermöglichen also, dass kritische Kunst entstehen kann?
Franz Karl Prüller: Wir sind uns bewusst, dass das demokratische Experiment in den ehemals sozialistischen Ländern noch nicht vollständig gelungen ist. Gerade hier hat Kunst eine wichtige Rolle, um gesellschaftliche Entwicklungen aufzuzeigen, die einem offenen Weltbild entgegenstehen.

Wie sieht der Dialog mit den Kulturschaffenden vor Ort aus?
Christiane Erharter: Wir setzen auf ein dialogisches Prinzip und arbeiten eng mit unseren lokalen Projektpartnern zusammen. Gemeinsam entscheiden wir, was die zentralen Themen sind. Mit den »tranzit«-Vereinen haben wir ein unabhängiges Netzwerk an Non- Profit-Organisationen in Bratislava, Budapest, Bukarest, Cluj, Iasi, Prag und Wien aufgebaut. Diese Kunst- und Ausstellungsinitiativen reagieren mit ihren unterschiedlichen Programmen auf die Bedürfnisse und Notwendigkeiten vor Ort.

Was sind die Pläne für die Zukunft?
Christiane Erharter: Ganz konkret werden wir am Erste Campus beim Hauptbahnhof ein öffentlich zugängliches Programm veranstalten. Sozial engagierte Kunst beschäftigt uns sehr, die Themen Flucht und Migration werden eine Rolle spielen. Im Dezember 2016 vergeben wir außerdem zum fünften Mal den »Igor Zabel Award for Culture and Theory«. Mit dem Preis, der nach dem slowenischen Kunsthistoriker und Kurator Igor Zabel benannt ist, werden herausragende kulturelle Leistungen von Kuratorinnen und Kuratoren sowie Theoretikerinnen und Theoretikern ausgezeichnet. Diese werden von einer international besetzten Jury ermittelt. Die Verleihung findet in Ljubljana statt.
Franz Karl Prüller: Es ist gerade jetzt sehr wichtig, alle Kräfte in der Gesellschaft zu stärken, die für eine offene, liberale Demokratie stehen, in der Menschen miteinander für eine gute Zukunft und nicht gegeneinander arbeiten, in der Menschen, die am Rande stehen, auch eine Chance haben. Wir sind fest davon überzeugt, dass Kulturschaffende daran einen wesentlichen Anteil haben.

PRÄSENTATION | IM GESPRÄCH
»Kunst und Engagement«
Fr., 18. Nov. 2016
17.00–18.30 Uhr
ERSTE Stiftung, Am Belvedere 1, 1100 Wien
In englischer Sprache
Auf eine Präsentation der OFF-Biennale Budapest, Ungarn, durch die Kuratorin Hajnalka Somogyi folgt im Anschluss ein Gespräch mit Hajnalka Somogyi und dem Kuratorinnenkollektiv What, How & for Whom/WHW, Zagreb, Kroatien.

Artikel von Karin Cerny:

Karin Cerny wurde im Waldviertel geboren, hat in Wien und Berlin Germanistik und Theaterwissenschaft studiert. Sie ist als freiberufliche Journalistin tätig; regelmäßige Theater- und Literaturtexte für »profil«, Mode- und Reisegeschichten für »Rondo« und »Diva«.


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