Täglich gelebte Kunst

Vienna Insurance Group macht Kunst sichtbar

Barbara Grötschnig Photo: Marlene Rahmann

Betritt man den Ringturm, den Sitz der Vienna Insurance Group (VIG), erlebt man Kunst. Auf Schritt und Tritt. Das zeigt, wie stark Kunst im Konzern und bei seinen Mitarbeitern verankert ist.
Seit 2006 sind die Ringturm-Verhüllungen das unübersehbare, diskutierte Kunst-Signal der VIG und ihres Hauptaktionärs, des Wiener Städtischen Versicherungsvereins, im Stadtraum. Aktuell ist »Sorgenfrei« des Tschechen Ivan Exner zu sehen. 2006 startete man mit Christian Ludwig Attersee. Robert Hammerstiel folgte, fertigte ein eigenes Modell an, und der Ungar László Fehér etwa setzte sich in mehreren Arbeiten mit der Aufgabe auseinander, erinnert sich Barbara Grötschnig. Sie ist für die Kunst im Konzern zuständig.

Auch in ihrem Büro finden sich daher spannende Positionen zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler: »Die VIG hat sich immer schon als Förderer der Kunst verstanden. Von Beginn an wurden auch Aufträge vergeben, und die Ringturmverhüllung ist ein moderner Ausläufer dieser Strategie. Bei unseren Ankäufen orientieren wir uns stark regional, entsprechend den Standorten der Gesellschaften. Wir legen Wert darauf, dass sich auch unsere Stakeholder mit dem Thema identifizieren können«, erklärt sie.
Die Geschichte der Sammlung, die sich aus verschiede­nen Teilen zusammensetzt, beginnt Mitte des 20. Jahrhunderts. Dadurch haben auch zentrale Werke der Moderne, wie etwa Kokoschkas »Anschluss – Alice in Wonderland« von 1942, in die Sammlung gefunden. Die Bestände der Wiener Städtischen und der Donau Versicherung sowie eine wachsende Sammlung des Haupt­aktionärs, dem Wiener Städtischen Versicherungsverein, bilden heute den Kern. Ebenso besitzt die zur VIG gehörende Kooperativa in Tschechien eine große Kollektion, und auch bei der Wiener Städtischen in Serbien wird dynamisch gesammelt. Bei den Ankäufen setzt man gerne auf die Expertise des Kunsthandels, lässt sich von Fachleuten beraten, sammelt zeitgenössisch, fokussiert auf junge, aber bereits arrivierte Künstlerinnen und Künstler. Seit Kurzem fördert man zusätzlich den Nachwuchs, kauft von Studierenden und Absolventen an und hat das Sammlungsspektrum um Videokunst erweitert.

2010/11 wurde in der Ausstellung »Ringturm.Kunst« im Leopold Museum die Sammlung erstmals öffentlich präsentiert, mit einem kleinen Ausschnitt aus dem weit über 5.000 Werke zählenden Bestand. Der aber nicht weggeschlossen bleibt. Sichtbar wird die Kunst »in den Repräsentationsräumlichkeiten, in den einzelnen Gesellschaften, in den Filialen, den Landesdirektionen, aber auch in den Büros selbst. Wir schauen, dass wir die Kunst so positionieren, dass sie auch den Besuchern ins Auge fällt. So kann man die Künstlerinnen und Künstler auch über den Ankauf hinaus fördern, indem man sie bekannt macht«, so Grötschnig. Die Mitarbeiter dürfen sich die Arbeiten für ihr Büro selbst aussuchen, immer wieder wechseln. Kurator Philippe Batka hat im Ringturm- Treppenhaus eine Auswahl gehängt und mit Texten versehen. Das wurde begeistert aufgenommen, freut sich Grötschnig: »Das Interesse ist hoch, die Mitarbeiter fragen wegen Führungen an. Über die Jahre hinweg ist generell zu beobachten, dass Qualität gefragt ist, erkannt wird. Ohne Kunstexperte sein zu müssen!«

Artikel von Stefan Musil:

Stefan Musil lebt als Kunsthistoriker, freier Kulturjournalist und Musikkritiker in Wien.


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