Schaufenster der Stadt

Wiens Tourist-Info von Delugan Meissl Associated Architects

Elke Delugan-Meissl and Norbert Kettner Photo: Marlene Rahmann

Geräumig, geschwungen und ganz in Gold: Die 2014 eröffnete Tourist-Info auf dem Albertinaplatz ist Wiens Schaufenster für Touristen. Norbert Kettner, Direktor von WienTourismus, und Architektin Elke Delugan-
Meissl von Delugan Meissl Associated Architects erklären die Ideen, die dahinter stehen.

Die Tourist-Info verzichtet bewusst auf Wien-Klischees. Welches Bild von Wien soll der Raum kommunizieren?

Elke Delugan-Meissl: Er soll den Besuchern einen ersten prägenden Eindruck von Wien vermitteln. Die Vielfältigkeit Wiens wird mit dem Herzstück des Konzeptes – der facettierten, raumbildenden Messingwand – räumlich interpretiert.
Norbert Kettner: Wir verwenden keine Wien-Klischees, sondern beziehen bewusst das Gold mit ein, das sich an vielen imperialen Bauwerken Wiens wiederfindet. Wien ist reich an historischer Bausubstanz, aber auch eine moderne Metropole, die im Bereich zeitgenössischer Kunst und Kultur sehr viel zu bieten hat. Diese Dualität hat Wien in seiner DNS, und dies ist auch als Qualitätsversprechen an unsere Gäste zu verstehen.

Was ist die Kernbotschaft von WienTourismus, die hier vermittelt wird?
Norbert Kettner: Es ist uns gelungen, die Tourist-Info in ein hochfunktionales Gesamtkunstwerk zu verwandeln, das durch zeitgemäßes Design, aktuelle Technik und ein intelligentes Raumkonzept überzeugt. Sie unterstreicht nicht nur Wiens Positionierung als Premium-Destination, sondern ist auch eine Visitenkarte der »Smart City« Wien.

Wirbt die Architektur auch für Wien als Designstandort?

Elke Delugan-Meissl: Wien ist eine Stadt mit einem reichen Erbe an Architektur, Kunst und Design sowie einem regen Kulturangebot. Es war uns wichtig, dass unser Entwurf diesen Reichtum reflektiert.
Norbert Kettner: Zeitgemäßes Design ist keine Frage von Werbung, sondern von Vernunft und Anspruch an sich selbst. Die Architektur der Tourist-Info macht auf die zeitgenössischen Aspekte der Stadt aufmerksam, während die Staatsoper nebenan das historische Wien darstellt. Da moderne Architektur und Design eng miteinander verwoben sind, soll der Besuch der Tourist-Info auch Lust auf das junge Design Wiens machen.

Was waren die Kriterien für Funktion und Raumaufteilung?

Norbert Kettner: Uns war es wichtig, eine optimale Verbindung von funktionalen und ästhetischen Qualitäten zu schaffen. Dabei achteten wir besonders auf eine intelligente Lenkung des Besucherstroms, durch die Wartezeiten verkürzt wurden, und reibungslose Arbeitsabläufe für das Personal. Laut Besucherbefragung verzeichnet
die neue Tourist-Info Top-Zufriedenheitswerte.
Elke Delugan-Meissl: Die räumliche Konfiguration
gliedert den Innenraum in zwei klar erkennbare Bereiche. Die Messingwand als Hauptelement verstärkt das: Im Ticketbereich dient sie Präsentationszwecken, im Informationsbereich ist sie funktionale Rückwand für die
Mitarbeiter und gewährleistet somit einen reibungslosen Arbeitsablauf.

Wie macht die Tourist-Info ihre Funktion nach außen sichtbar?
Norbert Kettner: Wien hat eine Kernkompetenz als besonders gastfreundliche, weltoffene Stadt, und diese Eigenschaft sehe ich im Konzept der neuen Tourist-Info architektonisch verwirklicht: Sie ist einladend gestaltet, bereits von außen gut einsehbar und weckt daher die Neugier auf das, was es innen zu entdecken gibt.
Elke Delugan-Meissl: Die Außenwirkung wird durch die weitgehend ungehinderte Einsicht in den Innenraum geprägt. Nachts reflektiert die deutlich sichtbare beleuchtete Präsentationswand den reichen Informationsfundus der Tourist-Info in den öffentlichen Raum.

Artikel von Maik Novotny:

Maik Novotny, geboren 1972 in Stuttgart, studierte Architektur in Stuttgart und Delft. Er lebt seit 2000 in Wien, ist Mitbegründer des Online-Archivs »Eastmodern« zur Spätmoderne in Osteuropa und schreibt regelmäßig über Architektur und Design für »Der Standard«, »Falter« und andere Medien.


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