Mehr als Hieronymus Bosch

Neue Pläne für die Sammlungen der Akademie der bildenden Künste Wien

Julia M. Nauhaus Photo: Marlene Rahmann

Seit 1. April 2016 leitet die deutsche Literatur- und Kunsthistorikerin Julia M. Nauhaus die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien. Beim Treffen erzählt sie von ihren Plänen für die Zukunft.

Fitness-Studio wird Julia M. Nauhaus vorerst keines brauchen: Die 41-jährige Deutsche läuft täglich unzählige Stufen rauf und runter, um ihren neuen Arbeitsplatz kennenzulernen. Seit 1. April leitet sie die Gemäldegalerie der Wiener Kunstakademie, die Prunkstücke Alter Meister – von Hieronymus Bosch über Peter Paul Rubens und Lucas Cranach d. Ä. bis Rembrandt – birgt. Allerdings wissen davon viel zu wenige Menschen: Nach wie vor ist die beeindruckende Sammlung mit rund 1.600 Bildern ein Geheimtipp. »Wir sind eben nicht direkt an der Ring­straße«, sagt Nauhaus, die angetreten ist, nicht nur die Gemäldegalerie, sondern auch das Kupferstichkabinett und die Glyptothek, die Sammlung von Gipsabgüssen, einem breiteren Publikum bekannt zu machen.

Nauhaus ist voller Tatendrang, sie will die Sammlungen enger verbinden. Museen sind für sie »lebendige Orte der Begegnung«: »Unsere Aufgabe ist es, Kunst zu vermitteln, und nicht nur Bilder an die Wand zu hängen.« Im Lindenau-Museum in Altenburg, das sie von 2012 an leitete, ist ihr das bestens gelungen. Sie verzahnte die Kunstschule mit dem Museum, steigerte die Zuschauerzahlen und konnte in der thüringischen Kleinstadt mit ihren rund 33.000 Einwohnern an die 90.000 Euro Spendengelder für die Restaurierung von Kunstwerken aufstellen. Auch in Wien möchte sie die alten Sammlungen mit zeitgenössischer Produktion, die für den Ausstellungsraum xhibit der Akademie entsteht, in einen Dialog treten lassen. Vorerst aber sind in diesem Sommer Meisterzeichnungen aus dem Kupferstichkabinett vom 15. bis zum 18. Jahrhundert zu sehen sein, Anfang 2017 folgen dann das 19. und das 20. Jahrhundert. Einige der Arbeiten seien bisher noch nicht gezeigt worden, versichert Nauhaus; es gehe darum, Entdeckungen zu ermöglichen.

Ab Sommer 2017 wird das Akademie-Gebäude, voraussichtlich drei Jahre lang, renoviert. Im eigenen Haus wird es dann keine Ausstellungen geben. Nauhaus sieht diese Zeit als Chance für eine Neukonzeption. Die Sammlungen werden weiter digitalisiert, die Datenbank aktualisiert, Bestände ins Netz gestellt. »Ich kann in dieser Phase nicht analog ausstellen, aber es wird im virtuellen Bereich mehr zu sehen geben«, verspricht die neue Leiterin, die außerdem in Zukunft stärker mit anderen Kunstinstitutionen zusammenarbeiten möchte.

Ihre neue Wirkungsstätte Wien kennt sie schon lange. Noch zu DDR-Zeiten führte die erste Auslandsreise ihren Vater, einen Musikwissenschaftler, nach Österreich. Damals durfte die Familie noch nicht mitkommen, aber später, als Freundschaften geschlossen waren, fuhr man nahezu jedes Jahr nach Wien und Niederösterreich. Auch was Kunst betrifft, hat Nauhaus keine Scheuklappen. Sie schwärmt von ihren Burgtheater-Besuchen, und einen Ort, um abzuschalten, wenn es im Job stressig wird – sie hat vorerst einen Vertrag für sechs Jahre –, hat sie auch bereits gefunden: Sie liebt es, im Lainzer Tiergarten spazieren zu gehen.

AUSSTELLUNG
»Natur auf Abwegen. Mischwesen, Gnome und Monster (nicht nur) bei Hieronymus Bosch«

  1. Nov. 2016–29. Jan. 2017
    Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien, Schillerplatz 3, 1010 Wien
Artikel von Karin Cerny:

Karin Cerny wurde im Waldviertel geboren, hat in Wien und Berlin Germanistik und Theaterwissenschaft studiert. Sie ist als freiberufliche Journalistin tätig; regelmäßige Theater- und Literaturtexte für »profil«, Mode- und Reisegeschichten für »Rondo« und »Diva«.


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