Ideen brauchen Raum

Wenn sich Kunst mit Architektur verbindet

Thomas Jakoubek, Photo: Marlene Rahmann

Mit einer Imagekampagne der etwas anderen Art macht die BAI (Bauträger Austria Immobilien) seit Jahren auf sich aufmerksam: Ihre von Künstlern gestalteten Sujets unterscheiden sich deutlich von den weichgespülten Renderings anderer Bauträger. Auch bei den Projekten selbst – vom T-Center in St. Marx über das G3 Shopping Resort Gerasdorf bis zum Gebäudekomplex Wien-Mitte – spielt Kunst immer eine Rolle. Verantwortlich dafür ist Geschäftsführer Thomas Jakoubek, zugleich Geschäftsführer der WED (Wiener Entwicklungsgesellschaft für den Donauraum), die die Entwicklung der Donau-City mit ihrem jüngsten Prestigeprojekt, dem DC-Tower, gekrönt hat. Maria Rennhofer sprach mit Jakoubek, der auch Vorsitzender des Universitätsrates an der Universität für angewandte Kunst ist.

Bei den Projekten der BAI und der WED spielt nicht nur die Architektur, sondern immer auch die Kunst eine wichtige Rolle. Welche Motivation steckt dahinter?
Thomas Jakoubek: Wir leben in einer reflexionsversessenen, von Rationalität und Effizienz geprägten, über­ästhetisierten Welt – einer Welt der ewigen Wiederkehr des Gleichen, der Langeweile und Eindimensionalität. Andererseits leben wir auch in einer Welt der Hypertextualität, in einem Hypermarkt der Möglichkeiten und Defaktifizierung. Wir versuchen dem nicht mit vordergründigen architektonischen Verrenkungen zu entkommen, sondern sehen hier die Notwendigkeit eines weitaus differenzierteren Ansatzes. Eine der Möglichkeiten ist für uns die Kunst als treibende Kraft der Architektur. Architektur ist ja mittlerweile mehr eine Rechtfertigungs- denn Gestaltungsaufgabe geworden. Wir versuchen die Architekten durch Involvierung von Kunst beziehungsweise Künstlern zusätzlich zu motivieren. Nicht nur, weil es im Endeffekt ökonomischer ist und mehr Spaß macht, sondern auch, weil wir eine gewisse Verantwortung gegenüber der Gesellschaft wahrnehmen wollen.

Bei manchen Projekten wird die Kunst ziemlich früh integriert, bei Wien-Mitte zum Beispiel hat Esther Stocker die Decke gestaltet.
Thomas Jakoubek: Die Kunst soll als Treiber der Architektur agieren, darum versuchen wir sie möglichst frühzeitig zu implementieren und nicht unter dem Motto »Kunst am Bau« als Behübschung draufzusetzen. Man muss natürlich von vornherein darauf achten, dass der ästhetische Ansatz zusammenpasst und Architekt und Künstler einander einigermaßen verstehen, sonst mündet das im Chaos. Bei Wien-Mitte ist uns das mit Esther Stocker und Laurids Ortner, glaube ich, gut gelungen.

Die zweite Schiene, die die von Ihnen geleiteten Unternehmen mit Kunst verbindet, sind Werbekampagnen, für deren Konzepte Sie Künstler beauftragen. Welches Image streben Sie damit an?

Thomas Jakoubek: Wenn ich an den DC-Tower von Dominique Perrault denke: Für so eine Architektur kann man kein kommerzielles Marketing machen, da muss man sich mehr einfallen lassen. An Wien-Mitte haben wir acht Jahre gebaut – wie bewirbt man ein Projekt acht Jahre am Markt? So kam die Idee, die Bauzustände zu dokumentieren. Mit Erwin Wurm entstanden die ersten Fotos, danach luden wir regelmäßig Kunstschaffende wie Gottfried Helnwein oder Rita Nowak ein, Sujets zu den einzelnen Bauphasen zu entwickeln. Natürlich muss man dann auch das ganze Unternehmen anders positionieren – noch dazu eines mit einem so breiten Spektrum. Was haben Wohnungen, Büros, Hotels, Einkaufszentren und sonstige Sonderprojekte gemeinsam? Beton, Bauen, Raum. So entstand der Slogan »Ideen brauchen Raum«, der seit 2014 von Künstlerinnen und Künstlern wie Birgit Graschopf, Constantin Luser, Leopold Kessler und heuer Werner Schrödl umgesetzt wird.

PODIUMSDISKUSSION
»Ideen brauchen Raum. Kunst und Stadtentwicklung«
Fr., 18. Nov. 2016, 16.00–17.30 Uhr
DOROTHEUM, Dorotheergasse 17, 1010 Wien
In deutscher Sprache

Artikel von Maria Rennhofer:

Maria Rennhofer, Kulturjournalistin und -publizistin. Studium der Publizistik und Kunstgeschichte an der Universität Wien, langjährige Leiterin Aktuelle Kultur ORF-Hörfunk, seit 2010 als freie Journalistin und Autorin sowie mit Kultur- und Medienprojekten selbstständig tätig.
Mehrere Buchpublikationen, u. a. Monografie über Koloman Moser.


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