... eine Sehnsuchtsstadt

Über den Galerienstandort Wien

Elisabeth Janda

Galerienszene, Sammler, Kunstmessen: Wien hat sich in den vergangenen Jahren radikal verändert.
Die heimischen Galeristen Gabriele Senn, Ursula Krinzinger und Martin Janda im Gespräch über Strukturen, Subventionen und das Sammeln.

Wie empfinden Sie Wien als Galerienstandort im internationalen Vergleich?
Gabriele Senn: Alle, die nach Wien kommen – Künstler, Kuratoren, Museumsdirektoren –, sind immer überaus positiv überrascht, wie toll die Szene und die Galerienlandschaft hier aufgestellt sind.
Ursula Krinzinger: Wien ist eine Sehnsuchtsstadt für Künstler und die Kunstszene. Man kann mindestens 20 Galerien finden, die international arbeiten.
Martin Janda: Ich finde, dass sich Wien in den vergangenen zehn Jahren unglaublich weiterentwickelt hat. Durch den Zuzug wurde es viel internationaler. Die Risikobereitschaft ist zwar geringer als in anderen Ländern, aber das verändert sich langsam.

Was würden Sie sich an zusätzlichen Strukturen wünschen?
Ursula Krinzinger: Wir haben wiederholt betont, dass der Kunstbereich einen österreichischen Unterstützungsfonds bräuchte. Schweiz und Holland unterstützen Künstler bei internationalen Ausstellungen großzügig finanziell. Wir haben nichts Vergleichbares. Diese Stiftung sollte mindestens Transporte, Reisen und Kataloge in internationalen Museen und Galerien mitfinanzieren.
Martin Janda: Es wäre dringend notwendig, dass Museen außerhalb ihrer Budgets auch noch zweckgebundene Ankaufsbudgets erhalten, damit sie in Zukunft die dritte Säule ihrer Tätigkeit, nämlich das Sammeln, professionell ausfüllen können.

Wien hat sich in den vergangenen Jahren radikal verändert – auch was die Messen betrifft. Welche sind für Sie wichtig?
Gabriele Senn: Für mich ist nur die viennacontemporary wichtig. Sie wird von ausländischen Sammlern gut besucht, und auch die Galerien vor Ort haben größtes Interesse daran, dass sie gut funktioniert.
Ursula Krinzinger: Man begegnet besonders auf der Art Austria Sammlern, die sich über österreichische Kunst informieren möchten. Die viennacontemporary steht aber mit ihrer Intention, internationale Sammler in die Stadt zu bringen, außer Diskussion – sie hat inzwischen große Bedeutung!
Martin Janda: Ich glaube, dass die viennacontemporary sehr wohl noch die Aufgabe hat, den österreichischen Markt – beziehungsweise den Markt in einem Radius von 500 Kilometern rund um Wien – intensiver zu bearbeiten. Es gibt im Umfeld mehr als genug Potenzial.

Wie sehen Sie die österreichischen Sammler? Und wie kommen Sie an die nächste Generation?
Gabriele Senn: Das Vertrauen ist in den vergangenen 15 Jahren deutlich gewachsen. Der Umgang von Sammler, Galerie, Künstler ist auf internationalem Niveau. Jede Künstlergeneration hat auch ihre eigene Generation an Sammlern.
Ursula Krinzinger: Auch die Gruppe der »gestandenen« Sammler hat sich sehr verbessert. Mit Krinzinger Projekte ist ein separates Haus für junge Kunst und jüngere Sammler entstanden.

Wie würde für Sie der ideale Galerienstandort Wien aussehen?
Gabriele Senn: Ich stehe dafür ein, dass Museen über österreichische Galerien Kunst ankaufen.
Ursula Krinzinger: Ich würde mir lehrreiche und weniger destruktive Kunstkritik wünschen. Der Auslandsglaube in Österreich ist so groß, dass Künstler, die die Galerien in Wien zeigen, von österreichischen Sammlern erst auf internationalen Messen gekauft werden. Das schmerzt!

Artikel von Alexandra Matzner:

Alexandra Matzner, geboren 1974 in Linz. Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Kuratorin, Kunstvermittlerin und Kulturjournalistin, zahlreiche Publikationen und Katalogbeiträge zu Fotografie und Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Arbeitet als freie Autorin in Wien und baut die unabhängige Kulturplattform artinwords.de auf.


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