Architekturjuwel und renommiertes Ausstellungshaus

Bauliche Maßnahmen an der Wiener Secession

Herwig Kempinger und Adolf Krischanitz

Den ursprünglichen Plänen zum Trotz, die einen provisorischen Ausstellungspavillon vorsahen, gilt die Secession seit mehr als einem Jahrhundert als Publikumsmagnet. Nun sind Renovierungen und räumliche Adjustierungen notwendig – nach der letzten Generalinstandsetzung vor rund 30 Jahren ist die neuerliche Sanierung des Gebäudes nicht länger aufschiebbar.

Der extravagante Jugendstilbau des Architekten Joseph Maria Olbrich nimmt eine Sonderstellung in der Architekturgeschichte Wiens ein. In keinem anderen Bauwerk wurde der Aufbruch der Moderne so radikal formuliert. So war die Secession denn auch »zu modern für die erste Reihe«, und der Gemeinderat lehnte die Errichtung an der Ringstraße, Ecke Wollzeile, ab. Schließlich einigte man sich auf den jetzigen Standort. Aufgrund der neuen Nachbarschaft zur barocken Karlskirche entwarf Olbrich die berühmte »goldene« Kuppel aus Lorbeerblättern, die – wie man durch den Chronisten Ludwig Hevesi weiß – nicht wirklich aus Gold sind: »Sie sind außen gelb bemalt und jedes Blatt mittels dreier goldener Streifen echt ver­goldet.«[^1] Sichtbar wurde dies erst bei der Generalsanierung 1985/86 durch Adolf Krischanitz und Otto Kapfinger.

Die Secession ist jedoch mehr als ein Architekturjuwel. Sie ist eine aktive Künstlervereinigung, die seit Langem eine richtungsweisende Rolle in der Gegenwartskunst einnimmt. Und das den ursprünglichen Plänen zum Trotz, denn geplant war 1897 ein »provisorischer Ausstellungspavillon auf die Dauer von längstens zehn Jahren«.[^2] Vor allem seit einer programmatischen Änderung der Ausstellungspolitik Mitte der 1980er fokussierte sich die Secession wieder auf ihre ursprünglichen Statuten – internationale zeitgenössische Positionen in Wien zu zeigen – und avancierte zu einem weltweit renommierten Ausstellungshaus. »Darüber hinaus ergibt sich durch den Beethovenfries eine einzigartige Verbindung mit der Geschichte und einem hochkarätigen Ausstellungs­programm im Bereich der Gegenwartkunst. Das macht den Erfolg der Secession ebenso aus wie die Mischung des Publikums – von Besuchern, die an der Avantgarde interessiert sind, bis hin zu jenen, die das Haus und den Beethovenfries sehen wollen«, so Herwig Kempinger, Präsident der Secession, und Architekt Adolf Krischanitz, der auch die nun anstehenden baulichen Maßnahmen durchführt.

»Aktuell geht es nicht um einen großen Umbau«, so Krischanitz und Kempinger, »sondern um notwendige Adjustierungen, Renovierungen und um die Umwidmung von einigen Räumen. Wir haben eine enorme Belastung des Gebäudes durch die zirka 100.000 Besucher im Jahr – vom Terrazzoboden bis hin zu den Türklinken. Daher muss man auch das beste Material verwenden, damit es über die Jahre hinweg hält. Zudem haben sich die Anforderungen an das Ausstellungshaus geändert. Das betrifft den Museumsshop ebenso wie das hauseigene Café. Letzteres ist aufgrund der boomenden Gastronomie in der Nachbarschaft obsolet.« Neben einer neuen EU-Normen entsprechenden Klimaanlage und der Renovierung der schmiedeeisernen Kuppel ist vor allem der behindertengerechte Zugang zum Beethovenfries geplant – die größte bauliche Herausforderung. Im Zuge dessen wird das Untergeschoß neu strukturiert. Anstelle des Cafés entsteht ein Veranstaltungsraum, der zusätzlich auch Ausstellungsfläche bietet. Der Shop – wie in anderen Museen auch in der Secession eine wichtige Einnahmequelle – erhält ein neues architektonisches Konzept mit mehr Displayflächen. Allesamt bauliche Maßnahmen, die dazu beitragen, die Geschichte der Secession als maßgebliches Forum für Gegenwartskunst in die Zukunft fortzuschreiben.

[^1 Otto Kapfinger, Adolf Krischanitz, Generalsanierung 1985/86: Die Konzeption der Erneuerung, in: Secession (Hg.), Secession. Die Architektur, Wien 2003]
[^2 Protokoll der Gemeinderatssitzung vom 17. November 1897]

Artikel von Silvie Aigner:

Silvie Aigner, Studium der Kunstgeschichte an der Universität Wien, Postgraduate-Studium für kulturelles Management an der Donau-Universität Krems. Doktorat am Institut für Kunstwissenschaften, Universität für angewandte Kunst Wien. Arbeitet als Autorin und Kuratorin vorwiegend im Bereich zeitgenössischer Kunst für internationale und österreichische Museen und Sammlungen. Seit Mai 2014 Chefredakteurin der Kunstzeitschrift »PARNASS«
(www.parnass.at).


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