»A WAY«

Das Auslandsatelierprogramm des Bundeskanzleramtes goes public

Alexandra Grausam / Foto: Marlene Rahmann

Schon seit geraumer Zeit trägt man sich in der Kunstsektion des Bundeskanzleramtes (BKA) mit dem Gedanken, die künstlerischen Resultate aus den beliebten Auslandsatelierstipendien für österreichische Kunstschaffende der Bereiche bildende Kunst, Fotografie und Medienkunst sichtbarer zu machen. Mit »A WAY« sollte dies gelingen. Projektleiterin Alexandra Grausam gibt darüber Auskunft.

Sie wurden mit der Entwicklung und Umsetzung dieses spannenden Projekts beauftragt. Was lässt sich im Stadium der Planung darüber sagen?
Alexandra Grausam: … dass ich mich sehr über den positiven Entscheid freue, »A WAY« in Wien verwirklichen zu dürfen. Das Engagement der Kunstsektion im Bereich des Förderprogramms für Ausland-Residencys ist nicht hoch genug einzuschätzen und sucht international seinesgleichen. Die Kunst- und Kulturszene lebt ja vom ständigen Austausch auf globaler Ebene, und Zielsetzung dieses Förderschwerpunktes ist es, österreichischen Kunstschaffenden durch Auslandsaufenthalte neue Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten. Nun weiß ich von vielen involvierten Künstlerinnen und Künstlern, wie wichtig die Eindrücke und Erfahrungen aus den aktuell zwölf Städten – darunter Peking, Tokio, New York und London, aber ebenso »exotische« Destinationen wie Mexico City oder Yogyakarta – für deren künstlerische Karriere und persönliche Entwicklung waren und sind. Das wird jedoch von der hiesigen Kunstöffentlichkeit zu wenig wahrgenommen. Einige Stipendiaten erhalten noch vor Ort Gelegenheit, ihre während der Residency entstandenen Projekte oder Works in progress zu präsentieren. Zurück in Österreich, fehlte diese wichtige Möglichkeit bislang. Die Lücke wird nun mit der von mir entwickelten und mit Genoveva Rückert-Sommerauer sowie Katja Stecher betreuten Programmschiene »A WAY« geschlossen.

Wie wollen Sie dies konkret umsetzen und welche Aspekte der Residencys sind darin berücksichtigt?
Alexandra Grausam: In der hier gebotenen Kürze sind vier Tools zu nennen: Ausstellung, Thinktank/ Laboratory – der gedankliche Austausch zwischen internationalen und nationalen Programmleitern, Kunstschaffenden und Theoretikern –, Website/Social Media/Blog und in weiterer Folge eine Publikation. Der Komplexität persönlicher Auslandserfahrungen und künstlerischer Resultate Rechnung tragend, geht es bei »A WAY« nicht um eine punktuelle Wahrnehmung, sondern um die nachhaltige Sichtbarmachung und Vernetzung der Stipendiaten sowie um den Diskurs, wie sich die staatliche Initiative auf künstlerische Produktion und Lebensumstände auswirkt. Diese Erfahrungswerte gehören einmal genauer unter die Lupe genommen, denn kritische Stimmen meinen, die Residencys würden indirekt das im Steigen begriffene Prekariat unter den Kunstschaffenden fördern. »A WAY« will auch darüber die Diskussion eröffnen, es ist aber nur eines von vielen Themen, die wir berühren möchten.

Welche Künstlerinnen und Künstler werden bei »A WAY« zum Zug kommen, und gibt es eine Fortsetzung des Projekts nach 2016?
Alexandra Grausam: Natürlich können wir nicht alle rund 1.000 Stipendiaten seit den 1980er-Jahren, als das Förderprogramm ins Leben gerufen wurde, berücksichtigen. Vielmehr werden wir uns heuer auf die rund 150 Künstlerinnen und Künstler der vergangenen drei Jahre konzentrieren – damit ist bereits eine große Vielfalt abgedeckt, die spannende Ergebnisse verspricht … (Lacht.) Die letzte Frage müssen Sie bitte an das Bundeskanzleramt richten, konzeptionell sind die Bahnen dafür jedenfalls geebnet.

IM GESPRÄCH
»The romance of the atelier will probably disappear in time«
Mi., 16. Nov. 2016
17.00 Uhr
Adresse: siehe viennaartweek.at
bzw. www.away.co.at
In deutscher und englischer Sprache
Talks mit Jörn Schafaff und weiteren Gesprächspartnern, geführt von Genoveva Rückert.

Artikel von Maria Christine Holter:

Maria Christine Holter lebt und arbeitet als Kunsthistorikerin und Kuratorin in Wien. Studium der Kunstgeschichte an den Universitäten Wien und Berkeley, USA, Praktikum am Museum of Modern Art (MoMA), New York. Ausstellungsreihen in situ und follow up, Gastkuratorin in Museen, Kunsthallen, Galerien und Off-Spaces. Unternehmensberatung im Bereich Ausstellungs- und Sammlungstätigkeit, zahlreiche Publikationen zur zeitgenössischen Kunst.


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